Noch 27 Tage..

Hallo! Ich melde mich zurück aus der klitzekleinen kurzen Osterpause, die ich mit meiner Tochter verbracht habe. Eine Bootstour, spazieren durch Leipzig, ein kleiner Ausflug in die Umgebung, Essen und Trinken aber in der Hauptsache die Sonne genießen und miteinander reden. Das war und ist so schön! Sie ist noch zwei Tage da und ich will jeden Moment so intensiv genießen und wahrnehmen, da sie dann fortgeht und sich die Welt anschaut. Wir werden uns mindestens ein Jahr nicht sehen – Thailand, Vietnam und Australien. Krass. Ein Jahr!.. Sie hat so fleißig und intensiv dafür gearbeitet, gespart und erfüllt sich jetzt diesen Wunsch. Ich bin so stolz und freue mich auch sehr für sie. Und ich werde sie von hier aus begleiten und verfolgen, was sie erlebt. Und sie so sehr beschützen, wie meine Seele es kann.

Natürlich haben wir auch über mein Projekt gesprochen. Über meine Idee hinter der Idee. Meine Gefühle und Gedanken und was für eine Zukunft ich mir vorstelle, wie heikel und zerbrechlich alles gerade ist. Und sie war der Ansicht, dass ich dringend neue Turnschuhe bräuchte und mehr Wasser trinken sollte – mehr ist gut. Ich sollte überhaupt welches trinken.
Es ist so wunderbar, wie verstanden ich mich fühle und gleichzeitig empfinde, wie gesund unser Verhältnis zueinander ist. Mutter und Kind. Sie war erstaunt, dass ich ihr einmal zu viel zu Essen angeboten habe, das hatte ich immer geschickt vermieden, so anstrengend zu sein als Mama.

Schöne Tage.

Das Projekt also stagniert gerade. Keine einzige Spende oder Bestellung eines Dankeschöns in den ganzen letzten Tagen. Ich bin betrübt und gleichzeitig möchte ich unbedingt verstehen, woran das liegt. Sehr viele Menschen, die sich meinen Blog anschauen und sehr viele und vor allem lieben Bemerkungen dazu.

Großes Lob und keine Kritiken, weder sachlich oder unsachgemäß. Weiterhin viele Nachfragen, um genauere Informationen zu bekommen. Daumen drücken.. Glückwünsche. Ich denke nach! Sollte ich es aufgeben? Jetzt schon? Es sind noch 27 Tage.

Ich frage Freunde, was ich vielleicht falsch gemacht haben könnte.. Vielleicht die Position wechseln, das Blickfeld verschieben. Konstant weiter arbeiten und geduldig und zuverlässig sein und bleiben? Hinweise, dass es nun mal um Lyrik geht. Ich rette damit nicht die Welt beispielsweise. Ich habe ein leicht schlechtes Gewissen. Ist es etwa egoistisch, dieses Projekt? Weil es sich um meine Gedichte dreht, um meinen Lebensunterhalt, um mein Glücksgefühl? Ich schäme mich fast. Vielleicht hätte ich meine Energie wirklich lieber für etwas einsetzen sollen, das mehr an die Allgemeinheit denkt. Ich bin durcheinander, da ich ja nicht verleugnen kann, das ich diesen Traum von diesem Buch ja tatsächlich habe. Die Familie zu verbinden, diese Bilder zu meinen Worten, die kleine Geschichte meines Sohnes zu einem tiefen Gefühl, dass er das erste Mal in seinem Leben hatte damals, als er sie aufgeschrieben hat. Nur allein die Gedanken daran, dass alles, zu einem großen Ganzen werden zu lassen, lässt mich die eine oder andere Träne vergießen. Also bloßer Egoismus ist doch irgendwie ausgeschlossen. Nur der Wunsch, etwas zu verwirklichen. Nur ist falsch an dieser Stelle, glaube ich, aber es drückt etwas aus, dass meine Unsicherheit offen da legt ohne Scham.

Ich war so locker, wie eine Schneeflocke – flockig, leicht und unbeschwert.. Unbesiegbar, als ich das Projekt begonnen habe. War mir meiner Community absolut sicher! Was für ein Wort?!.. Community! Ich dachte zu diesem Zeitpunkt nicht darüber nach, was und wen ich eigentlich damit meinte. Ich kannte einfach so viele Menschen aus so vielen verschiedenen Bereichen. Überall unterschiedliche Verbindungen, die mit so vielen Geschichten und Momenten verbunden waren und selbständig voneinander unabhängig existieren. Mein soziales Netzwerk war so unterschiedlich und so groß, dass ich tatsächlich davon überzeugt war, dass es einfach nur gelingen kann. Es ist ja – ganz ehrlich gesagt – schwierig zu beurteilen, warum ich das so empfunden habe und es sich jetzt anders herausstellt. Ich überlege, ob mein Selbstbewusstsein jetzt vielleicht in den Keller gehen sollte und sich dort verschämt in eine Ecke zurückziehen sollte. Was hatte ich mir eingebildet, was vorgestellt?.. Und vor allem.. Was soll ich jetzt tun? Ich stelle schnell fest, das ich überhaupt keine Lust habe, etwas oder jemanden zu beurteilen. Das Helfen und nicht Helfen zu deuten. Das wäre unfair, vermessen und ein wenig dumm. Mich hat als Mensch immer ausgezeichnet, das ich andere akzeptiert und geachtet habe, eben und gerade auch dann, wenn ich Handeln oder Denken mal nicht verstanden habe. Deshalb habe ich ja auch diesen großen Kreis um mich herum. Kann man das so bildlich verstehen? Wenn man von einem Kreis redet, dann dreht sich alles um einen herum. Und deshalb muss man trotzdem nicht unbedingt der Mittelpunkt sein, sondern jeder innerhalb des Kreises kann mal, die Hauptrolle übernehmen.

Also habe ich jetzt eine ernsthafte Nachdenk-Aufgabe. Eine Entscheidung, die getroffen werden muss. Klug am besten und mit erhobenen Kopf. Auch scheitern gehört zum Leben. Gewinnen aber auch. Und Glück haben ebenso. Ich stelle mir vor, dass ich auf einem sinkenden Schiff sitze mit einem perfekt gekühlten Gin Tonic in der Hand. Ergebe ich mich meinem Schicksal, weil die Möglichkeiten der Rettung verschwindend gering sind und genieße immerhin noch meinen Gin Tonic oder kämpfe ich, egal wie hoch die Überlebenschancen sind?..

Ich weiß!

Ganz schön überzogen das Beispiel, viel zu überhöht und eigentlich nicht vergleichbar!

Aber, ich bin überzeugt, dass wir als Menschen immer ein wenig die Erhöhung von allem brauchen, damit wir mit unserer Einsamkeit zurechtkommen können und in unseren verträumten Realitäten nicht versinken. Unser Bewusstsein braucht die Tiefe, braucht die Seele, braucht auch manchmal gar das Unmögliche, um in unseren Möglichkeiten leben zu können. Jedenfalls ist es für mich so, denn nur auf diese Art verstehe ich das Leben und die Ausrufezeichen hinter jedem Tun und kann auch einfachere Situationen für mich veranschaulichen. Natürlich weiß ich, dass es bei dieser Kampagne nicht um mein Leben geht. Aber ich spüre doch, dass es mir wirklich wichtig ist.
Ich habe noch nicht zu Ende gedacht. Mit wehenden Fahnen untergehen oder aufgeben und neue Ideen sammeln? Ich weiß nicht. Oder geduldig, dankbar und ehrlich weiter machen?

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