Antworten auf Fragen..

Hallo. Nun bin ich wieder allein. Habe meine Tochter gestern zum Bahnhof gebracht und musste mich für mindestens ein Jahr verabschieden. Ich kann nicht beschreiben, was da in mir vorging. Ich habe geheult, wie ein Schlosshund und habe theatralisch dem Zug hinterher geblickt. Wie es sein muss.

Schicksal ist nicht aufzuhalten.

Und ich habe zwar Sehnsucht und Angst aber gleichzeitig empfinde ich große Freude, dass es für sie ein eigenes Glück, ein eigenes Leben gibt und das sie mutig und ein bisschen tollkühn ist und tut, was für sie wichtig ist. Eine starke, eigenständige junge Frau. Wenn man drei Kinder großzieht, lebt man absolut in der Gemeinschaft. Und die Kinder sind die, die ihre Eltern brauchen, nicht andersherum. Ich gehe also zu Fuß nach Hause. Ich brauche diesen Spaziergang von ca. 1,5 Stunden, um mich ganz für mich zu verabschieden und los zu lassen. Jeder, der Kinder hat, wird dieses Gefühl kennen. Ich muss nach Kleinzschocher, dieser Stadtteil, in dem ich wohne und den ich nicht richtig aussprechen kann als Norddeutsche. Es ist sehr schönes Wetter und ich gehe durch diese prächtige Stadt. Alles wächst und blüht und überall Wasser und Grün. Ich bin noch nicht ganz sicher, welches der Gefühle, die ich gerade empfinde, die Oberhand gewinnen wird.

Es ist vielschichtig.

Meine Einsamkeit, die sich durch die Emotionalität einer Verabschiedung, gerade, wie unter einer Lupe, manifestiert oder sollte ich mich eher freuen, stolz und glücklich sein, dass genau durch dieses Manifestieren sich die Endlichkeit des Lebens konzentriert und Abschiede im Besonderen einem zeigen, dass man und wie sehr man liebt? Ich berausche mich an der Sonne und dem Glanz der Welt. Klingt ziemlich kitschig, aber ich kann es nicht anders beschreiben. Ich mache eine Pause, trinke ein kühles Getränk. Es ist wirklich sehr heiß. Ich denke über Wirkung und Wahrheit nach. Wieder einmal Vorstellungen von mir, wer ich gern wäre und wer ich bin. Ich darf ja niemals vergessen, das auch ich jemand bin über und an den man denkt. In Bezug auf Kinder glaubt man, denke ich, immer etwas besser machen zu können. Ich setze mich in den Schatten und beobachte das Lichtspiel, dass durch die Sonne und die Bäume entsteht.

Ich habe eine Mail bekommen. Jemand mir fremdes hat sich mit meinen Fragen zu meiner Kampagne und warum sie nicht richtig funktioniert, sehr ausführlich auseinandergesetzt. Bevor ich richtig lese, bin ich erstmal sehr berührt, dass jemand, den ich nicht kenne, mir und meiner Idee so viel Energie und Zeit widmet. Danke dafür! Wieder geht es um Marketing Strategien und dass das Stagnieren nicht einfach erklärbar ist. Schon vorgestern hat ein Freund im Geiste, das in einer sehr witzigen Art und Weise analysiert. An dieser Stelle einen lieben Gruß an diesen Freund. Es war sehr erhellend und nachdenklich zugleich. Auch in anderen Gesprächen habe ich darüber nachdenken müssen, ob meine Strategie, die richtige ist, um so ein Projekt öffentlich zu starten. Es sind Worte gefallen, wie erschlagend, zu persönlich, hermetisch. Eben, dass nur Menschen, die mich kennen und mir nahe stehen, Empathie empfinden könnten für meinen Wunsch und mein Ziel. Ich kann das überhaupt nicht beantworten.

Ich bin ja ich.

Und ich kann eigentlich nur sagen, das Worte wie Marketing, Strategie, Community… mir mittlerweile eher Angst machen. Heißt, ich habe auf diese Art und Weise nicht über mein Buch, meine Idee nachgedacht. Sondern habe ganz ehrlich und offen – vielleicht würde der eine oder andere auch naiv sagen – diese Kampagne gestartet mit lauter schönen Gedanken im Kopf. Vielleicht ist das aber eben genau die Antwort darauf, warum es jetzt so läuft.

Auch ich lebe ja in dieser Welt und kann die Mechanismen nicht einfach ändern.

Eine weitere, interessante Frage in der besagten Mail, die ich natürlich auch noch ganz persönlich beantworten werde, ist die, nach dem Perspektivwechsel. Ob ich die Position meiner Leser_innen und Eventuell-Leser_innen einnehme, um mich in ihre Lage versetzen zu können, damit sie das Gefühl haben, das ich sie ernst nehme und mein Schreiben sich für ihre Bedürfnisse interessiert. Ich bin kurz bewegungslos, bis ein Windhauch mir ein Lächeln hervor lockt.

Die Position meiner Leser_innen einzunehmen scheint mir unmöglich, da ich mir der Individualität eines jeden einzelnen Menschen bewusst bin. Ich habe mein Schreiben noch nie als einen eigenen Therapieansatz begriffen, der nur mir persönlich gut tut und gefällt. Eine Ausnahme.. als ich den Schrecken meiner Kindheit verlassen habe und verarbeiten musste. Aber da habe ich Tagebuch geschrieben. Das hat nie ein anderer Mensch je gelesen. Also nein! Ich schreibe meine Gedichte und Geschichten nicht allein für mich.

Und ja, natürlich möchte ich gelesen werden.

Aber da ich eben, wie alle anderen auch, ein Individualist bin, nehme ich meine Position und meine Perspektive ein, um den Menschen etwas mitzuteilen. Es steckt kein Plan dahinter, keine Strategie. Ich kann es nur so beschreiben: Ich glaube ganz fest daran, dass es Gefühle und Gedanken gibt, die uns alle, bei aller feststehender Unterschiedlichkeit, einen. Glück, Trauer, Angst, Willen. All das, was uns zu sozialen Wesen macht. Und ich glaube, das ist mein Suchen. Mein größtes Thema in meinem Leben. Einigkeit! Das ist mein Antrieb, mich mit den Menschen zu verbinden. Ich glaube, das möchte jeder Künstler und jeder Mensch. Nicht einsam sein! Mitteilen auf die unterschiedlichste Art und Weise, was die Welt zusammen hält. Und ich meine damit keine Gleichmacherei. Sondern ein tiefes Gefühl.

Deshalb schreibe ich.

Und ich habe schon sehr oft dieses tiefe Gefühl erlebt, bei Lesungen, beim Reden, überhaupt in meinem Leben und auch beim Lesen. Ich weiß nicht, ob ich diese Frage damit beantwortet habe. Es scheint mir fast eine simple Antwort und doch die ehrlichste, die ich geben kann.

Jedes Wort tausendmal gedacht und gefühlt.

Die Spardose. Ich habe sie mit meiner Tochter auf der Straße gefunden, sie wurde mir faktisch kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich habe meiner Tochter versprochen, wenn sie von ihrer Reise zurück ist, dann ist dieses Ding voll und wir machen gemeinsam eine richtige Sause. Ich musste sehr lachen, es war, als hätte das Schicksal sie vor meine Nase gestellt und ich wüsste dann schon, was zu tun sei. Ein Turnschuh.

Das Leben ist aber manchmal auch lustig.

Also ich habe eine Mission. Neue Turnschuhe und ein schöner gemeinsamer Abend. Einen Euro habe ich symbolisch bereits hineingeben. Glücklicherweise ist dieser Spar-Turnschuh nicht sehr groß.
Ich schätze, es ist nicht gerade eine clevere Marketingstrategie, so lange Texte zu schreiben. Bei der Informationsflut und der Kurzlebigkeit von Aufmerksamkeit. Aber ich kann nicht aus meiner Haut und bin tatsächlich nicht besonders diplomatisch. Man möge mir verzeihen. Und selbst wenn das die Antwort auf die Frage des Scheiterns ist.. dann gibt es das Gefühl der Treue zu mir selbst. Es gibt ja nicht den einen Weg, der richtig ist, es gibt auch nicht das Wissen darum. Es gibt nur den ganz eigenen Weg und diesen muss ich gehen. Diese Kampagne erscheint mir, wie eine Reise, eine Probe, auf die ich gestellt werde. Und ich weiß nicht genau, ob man es dann noch Kampf nennen sollte. Ich wünsche mir Erkenntnisse und gelebte Freundschaften. Im Leben und im Geiste. Neue und Bestehende. Auch noch ein lieben Gruß an einen Freund aus Leipzig, den ich sehr gern habe. Ein großes Dankeschön für seine Spende! Es sind noch 25 Tage!

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