8. Tag

Das war vielleicht ein Wochenanfang..

Durch die Beschäftigung mit den unendlichen Welten des Internets muss ich doch sagen, war ich ein wenig raus und es hat etwas weitaus größeres an Gedanken ausgelöst. Diskussionen über Kunst an sich und über Qualität von Kunst im Besonderen. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich habe tatsächlich mit Menschen, die mir völlig fremd waren anonym darüber diskutiert und das hat mich doch einigermaßen verwirrt. Ich fragte mich, ob ich naiv war und einfach so unbedarft, wie ich nun mal hin und wieder bin, hinausgestolpert bin mit meiner Idee und fröhlich glaubte.. jipiiii..so viele Menschen, die sich mit Literatur beschäftigen, sich gegenseitig helfen, da kann ich ja nur richtig sein. Ich glaube, bei so etwas wacht das Kind in mir auf und freut sich einfach ohne Hintergedanken. Aber plötzlich taten sich ganz schöne Abgründe auf. Ich war total erschrocken und der ganzen Angelegenheit überhaupt nicht gewachsen. Es prasselten Argumentationen auf mich ein, mit denen ich schlichtweg nicht gerechnet hatte.. – Du bettelst hier rum.. Deine Lyrik hat Schwachstellen bis hin zu.. Ich sehe überhaupt kein Talent.. Dann wurde auch noch die ganze Kampagne total zerpflückt. Wieso Crowdfunding, wieso nicht einfach book on demand? Warum nicht einfach ein billiges Buch selbst raus bringen? Verlagsarbeit wurde mir erklärt und schlussendlich: Du hättest wohl vorher etwas mehr nachdenken müssen..

Krass!

Erst freundliche Erklärungen meinerseits, dann doch schon Rechtfertigungen, dann schließlich Hilflosigkeit. Dann aus! Ich habe erstmal alles geschlossen, den Computer runtergefahren.. Und Ruhe!

Waren das alles Bestseller-Autoren, super Handwerker, Qualitätskontrolleure?

Wo hatte es mich hin verschlagen? Die Ruhe tat gut. Meine Gedanken wirbelten nur so durcheinander. Bestimmte Wortfetzen blieben hängen – wenn Lyrik sich mit Emotionalität vermischt passiert das auf Kosten der Lyrik – hatte jemand gewarnt. Ich glaube, es war bezogen auf die Qualität der Lyrik. Bedeutet das etwa, je weniger Gefühl ich in ein Gedicht stecke – was eigentlich unmöglich ist – dann wird es eigentlich erst gute Lyrik?

Es folgten lange Telefonate und Nachrichten mit Freunden und Familie zum Thema Qualität in der Kunst. Eigentlich war meine Ansicht darüber lange gereift, durch Lebenserfahrung gefestigt und moralisch sehr vertretbar für mich. Durch diese Anmerkungen fühlte ich mich, wie ein unreifes Kind, dem man solche Dinge – ein wenig genervt, sehr ausführlich und absolut zynisch – erklären musste. „Du bist nicht gerade ein Brecht oder Rilke.“ Hatte ich etwa vermittelt, einer von beiden oder gar beide sein zu wollen?.. Und vor allem, was hatte man vielleicht damals zu diesen beiden sagen können? Du bist nicht gerade ein Goethe, vielleicht?! Was sollten diese Vergleiche, welches Ziel sollten sie haben?

Ihr merkt schon, ich war wirklich ziemlich verwirrt! Und was mich doch sehr erschrocken hat, es landete irgendwie bei mir, verunsicherte mich in meinen Grundfesten.

Wie war denn so etwas möglich?

Aber die Familie und die Freunde halfen. Wie so oft!Es tat sehr gut, darüber zu sprechen und sich zu entknoten.

Für mich war Kunst in allen Sparten immer schon rein durch Ehrlichkeit, Notwendigkeit und ein wirkliches Gefühl gekennzeichnet. Immer dann, wenn ich glaube zu spüren, dass jemand mir und allen anderen Menschen etwas in Bildern, Metaphern, großen Geschichten über das Leben mitteilen wolle, etwas im tiefsten Inneren in ihm wohnt, was raus muss, einem Lebensgefühl entsprach und vor allem auf irgendeine Art und Weise berührte – ein Buch, das man zumacht und nicht mehr ganz derselbe Mensch ist, ein Theaterstück, ein Bild, dass unter Umständen deine ganze Weltsicht verändern kann.. Das ist doch Kunst! Notwendig, wie das tägliche Brot und subjektiv, Revolutionen hervor ruft – ganz kleine und manchmal ganz große. Etwas, das uns zusammen schweißt und uns verbindet, in manchmal nur einem Gedanken.

Bitte, wer könnte das zusammen fassen, verallgemeinern und eine Formel daraus machen? Niemand kann doch einem anderen vorschreiben, was man fühlt!

Ich habe nach und nach die Internetseiten wieder geöffnet und habe mich höflich aber auch bestimmt verabschiedet auf den meisten Seiten. Dann habe ich mir meine Kampagne noch einmal genau angeschaut und mein Manuskript nochmal komplett durchgelesen, jedes einzelne Gedicht. Und ich habe mich erinnert, wie sehr ich jedes Wort gefühlt habe. Tage, manchmal Wochen nur mit einer Idee, einer Formulierung im Kopf herum gelaufen bin, aufgeregt und aufgewühlt war, weil ich unbedingt genau den Punkt treffen wollte. Das ist manchmal emotionale Schwerstarbeit. Das ist so, als wolle man allen Menschen die Hand reichen, was schier unmöglich ist. Auch Überhöhung als Veranschaulichung der Größe der Gefühle als bindendes Glied.

Nun ja.. Und ich muss sagen, dass diese Kampagne mich auf eine Reise mitnimmt, mich verändert, meinen Willen nicht bricht, sondern stärkt. Natürlich wäre es mein Wunsch, das Geld zusammenzubekommen, um alles umzusetzen, was ich mir vorgenommen habe. Aber das allerwichtigste ist es, das die Menschen, die es sich anschauen es verstehen und mir glauben und vertrauen, dass ich es zutiefst ehrlich meine. Ich fühle tatsächlich diesen Gemeinschaftssinn.. Ich liebe tatsächlich meine Familie und ich würde es großartig finden, wenn wir uns gemeinsam ein wenig verewigen, ein bisschen zeitlos werden mit dieser Idee. Ich weiß, dass es ein Experiment ist und das es nicht lebensnotwendig ist, mir zu helfen diesen Traum umzusetzen. Und das ein Alltag, der uns so vereinnahmt, oft dieses tiefere Bedürfnis nach Sinn nicht zulässt.

Und dennoch glaube ich daran, stehe hinter meinem Projekt.. Fühle dieses große Gefühl und hoffe, das Menschen sich die Zeit nehmen und mich tatsächlich unterstützen! Aus reiner Überzeugung. Nichts ist berechnet, nichts Bereicherung. Egoismus in ausgeprägter Form ist mir fremd. Also mein großes Fazit:

Vielleicht einen Moment verweilen und sich verbinden. Alles, was ich in dieser Kampagne zusammengetan habe, liegt mir wirklich am Herzen. Also bestellt Euch eine Tüte Konfetti oder einen schönen Abend mit mir oder oder.. oder.. Die Zeit läuft! und ich bin wahnsinng dankbar..

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