11. Tag

„Betty Blue“ zum Frühstück, fast ausgelesen. P.Djian erscheint mir immer noch ebenso lässig, wie Ende der 80-iger. Verrückt, schwirrend, heiß.. 37,2 Grad am Morgen. Ich war gespannt, ob es sich noch genauso anfühlt, wie beim ersten Lesen. Eine Liebesgeschichte und ein Gesellschaftsbild einer Generation, die ruhelos auf der Suche ist, so sehr, dass sie gar nicht mehr weiß, was sie eigentlich sucht. Beängstigend und cool zugleich.

Gestern ein kleiner Ausflug nach Wurzen – ein so schönes aber irgendwie verlassenes Städtchen. Ein schlechter Ruf und der Versuch, diesen zu überwinden. In einem kostenlosen Buchregal mitten in der Stadt habe ich Nathan der Weise und zwei Bücher von Henry Miller gefunden. Ach, Henry Miller, einst ein Rebell meiner jungen Jahre. Verbotene Bücher und so frei in seinem gesamten Ausdruck. War das aufregend damals, ihn zu lesen! „Wendekreis des Krebses“, da spürte ich all seine Auflehnung und seinen unbedingten Willen, er selbst zu sein. Aber das Wichtigste war dieser große Humanismus, der unsichtbar über allem schwebte. Also sehr zu empfehlen.


Es hat etwas sehr Beruhigendes, dass einem niemals die Lektüre ausgehen wird.

Heute kommt meine Tochter für ein paar Tage zu Besuch. Ich habe sie vor ca. zwei Monaten das letzte Mal gesehen. Ich freue mich so sehr! In meiner doch manchmal sehr einsamen Welt, ist es ein Hochgenuss jemanden aus der Familie für ein paar Tage bei sich zu haben. Ich bin glücklich. Ich muss kurz darüber nachdenken. Für einen sozial so aktiven Menschen, wie mich, war es doch ein großer Schritt, die Stadt zu wechseln. Und das ist noch ein milder Ausdruck für meine Person.. sozial aktiv.. ich muss ein wenig lächeln darüber, es war geradezu Lebenselixier Freunde und Familie um mich zu haben. Alle, die mich kennen, wissen das sehr genau. Natürlich war es auch ein bewusster Schritt, um mich vielleicht selbst mehr zu finden, auch und vor allem für mein Schreiben. Vereinzelung hilft ja manchmal sich selbst näherzukommen. Ein Experiment, ein Lebensschritt, der nicht leicht ist. Allein, einen ganz einfachen Job zu finden, ist so schwer hier. Ich habe über 50 Bewerbungen geschrieben. Unfassbar, diese Zahl, in so einem relativ kurzen Zeitraum. Aber abwarten, Kopf oben behalten, die heutige Welt und ihre Mechanismen sind mir ja nicht unbekannt und zum Aufgeben gibt es noch keinen Grund. Noch schaue ich mich um, bin fasziniert und aufgeregt.

Denke viel nach über das bisherige Leben und über das, was kommen kann und soll. Ich stehe dicht bei mir, um vielleicht etwas über mich selbst herauszufinden. Also sehr große Freude.. über diesen Besuch, der alles ein wenig wärmer und weicher macht. Die Familie war da immer schon der feste Ankerplatz. Sicherheit, geliebt zu werden.. ganz als ich selbst. Das ist cool.

Und die Arbeit gilt es nicht zu vergessen. Ich werde mit meiner Tochter meine Anschreiben für die Verlage überarbeiten. Sie hat ein gutes Gespür für Sprache. Und wir werden zusammen die restlichen Manuskripte, die schriftlich versendet werden sollen, ausdrucken, eintüten und zur Post schleppen. 34 Briefe mit zum Teil über 50 Seiten Inhalt. Und eben nicht irgendein Inhalt. Ich bin stolz auf mich.. und glaube daran, Glück zu haben. Ich hoffe, dass ich Ende dieser Woche berichten kann, das alles verschickt ist. Natürlich verbunden mit seligen Ritualen und einem Glas billigen Wein, der wie Champagner schmecken wird.

Der Vergleich mit einer armen Kirchenmaus ist gerade sehr treffend und ich muss lachen über diese Begrifflichkeit. Ich hoffe, dass ich die Taler zusammen gekratzt bekomme, um diese, für mich so wichtige Angelegenheit erledigen zu können. Und ich lebe auf kleinem Fuß.. meine Turnschuhe haben Löcher. Pathetisch irgendwie, ich weiß.. Aber natürlich nicht so ernst, wie wirkliche Sorgen, die jemand haben kann. Deshalb ja, diese positive Kampagne und deshalb an dieser Stelle auch noch einmal der Aufruf! zur Unterstützung meiner Person und Idee. Noch 31 Tage! Wenn ihr alle mithelft, dann kann ich es schaffen! Und das wäre so schön!

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