Vorwort – Definition Wunder

Die Sittlichkeit der reinen Schönheit. Der natürliche Blick auf ein Leben. Das Wunder des Seins. Wie schön sich das anhört und losgelöst scheint von der allgemeinen Sprache. Wunder kann man nicht erklären. Sonst wären sie reine Tatsachen ohne Besonderheit. Wunder haben numinosen Charakter. In der religiösen Deutung waren sie Beweis der wirksamen Kraft des göttlichen Wesens. Auch in der weltlichen Sicht tragen sie einen übersinnlichen Gedanken in sich, etwas unerklärliches, unfassbares. Zu allen Zeiten muss man Wunder in den Kontext zu dem allgemein vorherrschenden Wissen stellen. Und je mehr der Mensch weiß und sich entwickelt, je mehr kann er sich die Welt erklären. Je breiter das Wissen wird, je mehr glaubt aber auch der Mensch, dass er etwas wüsste. Aber genauer und tiefer betrachtet ist Erkenntnis keine unbedingt logische Konsequenz von Wissen. Erst durch das Denken und Fühlen ist der Mensch in der Lage, hin und wieder Wissen zu kompensieren und daraus eine Konsequenz/Erkenntnis zu ziehen. Der emotional kluge Mensch begrenzt sein Wissen daher lieber.

„Ich will ein für alle Mal nicht alles wissen, die Weisheit setzt auch der Erkenntnis Grenzen“

hat Nietzsche mal treffend formuliert. Weisheit ist für mich eine Mischung von Wissen, Erkenntnis, göttlichem Willen und Wundern. Das lässt eine Vieldeutigkeit zu, die differenziert, und das seelische Wahrnehmen – trotz und wegen des Wissens – trotz Erkenntnis und Erklärung, Wunder fühlen und erleben lässt. Und so bekommt dieses Wort dann doch eine tiefere Bedeutung und ist individuell dem Subjekt anhängig.


Die Geburt eines Kindes – man kann alles erklären und wissenschaftlich belegen, weiß wie es entsteht und sich entwickelt und auf die Welt kommt. Und doch ist es ein Wunder für mich gewesen – Kinder zu bekommen – und geblieben.. wunderschön.. und überwältigend.. vielleicht sinnlich gemeint. Eines dieser Wunder zum Beispiel kocht für mich, wenn ich zu Besuch komme, wie schön!

Diese tiefe Übereinstimmung im Geiste, jede Sekunde des Lebens ein Gedanke an diese drei wundervollen Wesen, die ich zur Welt bringen durfte und denen ich mich seelisch so sehr verbunden fühle, dass wir manchmal zu einem großen Ganzen verschmelzen. Diesen drei Wundern widme ich dieses Buch.Sie sind Sonnenschein und Herbst und Spiegelbild in einem glasklaren See.

Und so, wie ich jetzt schreibe, so bin ich. Das ist meine Handschrift, mein Leben und beides verdanke ich ausschließlich meiner Familie und meinen Freunden. Ich glaube ja, das so vieles wunderbar ist. Dieses Substanzielle, das sich über das Leben stellt, Menschen miteinander verbindet im Gefühl, in der Seele. Menschen, an die man denkt, egal was sie tun oder wo sie gerade sind, welche Eigenschaften sie haben oder auch Fehler, dieses innere Band, das uns zu moralisch und gewissensvollen Wesen macht, feingliedrig und weich in Gedanken. Ein tiefes, inneres Bedürfnis hat mich schon immer instinktiv angetrieben. Ein universeller Gedanke, ein Schnittpunkt, eine Übereinstimmung im Fühlen aller Menschen, bewusst oder unbewusst. Und berechnend war es nie. Nein! Alles, was ich ausdrückte und ausdrücke, war und ist gefühlter Zustand, selbst erlebt in Gedanken – zermürbend – aufgeregt – Worte finden und welche erfinden. Bilder hinter dem Handeln. Mut, Sturheit, Freundschaft, Liebe – als Metapher für alle Menschen.

Ich schreibe, weil ich bin oder ich bin, weil ich schreibe.
Ich habe das Gefühl, das alles, was mir bis jetzt in meinem Leben widerfahren ist;einfach alles, immer nur auf diesen einzigen Punkt hinausläuft.

Die reale Welt mit ihren Fakten ist meistens mächtiger, als die gefühlte Ewigkeit und der Blick. Ist das zu dramatisch? Eher immer so von innen betrachtet. Alltag und Realität und eine übergeordnete Moral. Manchmal fehlt mir die Lockerheit, sage ich mir selbst. Es ist ja alles sehr praktisch, was gesagt und getan wird, aus dem aktiven Leben heraus.Es wird einfach gelebt..und doch, wenn die Tür zu ist und man mit sich allein, dann kommen die großen Fragen des Lebens doch in jedem Menschen auf.

Was ist es, was wirklich glücklich macht?

Wie kann das Leben funktionieren? Welche Moral ist angebracht und welche Überzeugungen trägt man wirklich in sich? Ich bin ja oft auch sehr fröhlich aber irgendwie im Denken immer ernst. Vielleicht lenke ich diese Fragen zu sehr, stelle sie mitten in den Alltag und dennoch, doch! habe ich das Gefühl, ich kann sie moderieren. Und für einen kurzen Moment steht jedes einzelne Gedicht als Metapher im Raum. Im hier und jetzt zu leben, bedeutet ja, sich als Ganzes zu begreifen, zu verstehen und zu verbinden.
Und da gibt es ja immer wieder diese Bilder von sich selbst im Kopf. Tausend Ideen und ich?! Ausgeschlafen und munter verfolge diszipliniert meinen Weg. Aber dann sitze ich halb müde da, trinke Kaffee und rauche und schaue auf mein eigenes Bild. Wäre so gern konzentriert und glücklich und zielorientiert. Es fühlt sich oft an, als würde nur ein winziger Schritt fehlen und siehe da! Ich wäre einfach diejenige, die ich so gern wäre.
Witzig, oder?!

So entsteht Weiß und Schwarz in seiner Unausschließbarkeit, keine
Abstufungen. Ich bin so schwarz…wäre gern …so weiß.. Herrje, es ist aber auch kompliziert! Dabei wäre ich doch so gern ein Hellblau oder ein sanftes Grau vielleicht.

Und was bedeutet eigentlich so schwarz und so weiß? Schwarz ist in der Definition die Abwesenheit von sichtbarem Licht. Weiß wiederum ist
die hellste Farbe von allen, sie entsteht durch ein Gemisch aus Einzel-farben, das den gleichen Farbeindruck hervorruft, wie Sonnenlicht. Wenn Weiß also physikalisch gesehen, die Summe aller Farben ist, dann sind wir im Gedächtnis der Erde alle durch das Empfinden verschiedenster Kulturen miteinander verbunden. Von Anbeginn der Menschheits-geschichte wurde Schwarz sowohl als auch Weiß eine große Bedeutung zugeschrieben. Sie entsprechen den Prinzipien des Lichtes und der Dunkelheit. Gut und Böse, Himmel und Erde, Leben und Tod und überhaupt alle erdenklichen und menschenrelevanten Gegensätze. Weiß ist das Gegenteil von Schwarz, dem Nichts, dem Chaos, das auf ordnende Gestaltung wartet, durch das Licht der Erleuchtung. Weiß ist Licht, das alles Gute zutage fördert. In den meisten Religionen dieser Welt, wird diesem lichten Prinzip eines männlichen Schöpfergottes, der dunklen, weiblichen Urgottheit Erde entgegengestellt.Dieser Antagonismus erklärt erst alles Sein in seiner Gesamtheit und bedarf unbedingt aller Zwischentöne. Und so versuche ich alle erdenklichen Farben in meinen Worten zu finden und ihnen in Bildern den nötigen Raum zu verschaffen. Schwarz und Weiß sind sozusagen der Rahmen und alles dazwischen ist unfassbar, dunkel, unbegreiflich, bunt, logisch, lebendig, verrückt und frei im geistigen Sinne. Und im besten Fall erlebt man die Sinnlichkeit von Wundern. Das wäre schön!

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