Ich hatte einen Traum. Das ist der Anfang.

Ich stand in der Mitte von einem sehr großen Kreis, der sich wie eine Spirale langsam um mich herum bewegte. Ich war allein und sah mich um. Ein großes, reines Nichts, blendend weiß. Die Spirale gab mir instinktiv den Auftrag, mich zu bewegen. Ich handelte nicht bewusst, sondern rein aus meinem Gefühl heraus, hatte ich den Drang der Drehbewegung zu folgen. Ich hatte keine Angst, obwohl ich nichts sah und auch ganz allein war. Die Umgebung wirkte unwirklich aber nicht gefährlich. Ich folgte also der Spirale, Schritt für Schritt. Unbewusst suchte ich den Ursprung, den Anfang, denn an dem Punkt, an dem ich jetzt war, ging es nur in eine Richtung weiter – nach vorn. Aber das war natürlich nur eine Frage der Perspektive. Würde ich mich umdrehen, dann wäre ich bereits am Ende angekommen. Das Ende? Aber ich behielt meine Richtung bei und folgte Schritt für Schritt der Bewegung der Spirale. Mir wurde ein bisschen schwindelig, da sich der Kreis bewegte und ich mich ebenfalls. Ich musste einen Rhythmus finden.

Wo war der Ausgangspunkt und würde ich ihn überhaupt erreichen können?

Die Bewegung war sachte und mir zugewandt, ließ mich aber schwerlich vorwärts kommen. Wie hatte ich es in diese Mitte des Kreises geschafft, wenn es doch fast unmöglich schien, den Weg zurück zu gehen? Und wenn mein Ausgangspunkt gleichzeitig die Mitte und das Ende waren, bedeutete das etwa, zu einer Mitte zu gelangen, dann ist auch das Ziel erreicht? Um etwas sehen zu können, musste ich die Augen schließen, das war das Geheimnis. Und dieses Sehen würde meine Schritte leiten. Ich weiß nicht, woher dieser Gedanke kam, aber ich spürte, dass das die einzige Möglichkeit war, vielleicht einen Anfang zu finden. Ich sah mich um und wusste, dass ich hier überall schon einmal war. Ein merkwürdiges Gefühl, da ich nur in meiner Gedankenwelt Bilder sah und mit jedem Schritt veränderte sich innerlich die Umgebung und alles war in Bewegung.
Ich wollte vom Rand in die Mitte schauen. Das galt es zu erreichen.
Aber hierbei ist zu bedenken, das auch der Rand immer die Perspektive und Umstände miteinbezieht. Vielleicht gibt es deshalb gar keinen wirklichen und einzigen Anfang und damit auch kein Ende. Die Mitte bedeutet „nur“ das Ziel im Unterbewussten. Mittelpunkt der Seele.

Ein Traum, fast klischeehaft gefüllt mit Metaphern. Bewusstsein, Unterbewusstsein – alles in Bewegung – Denk nach! Immer diese Ein- und Mehrdeutigkeiten!

Ich erwachte. Wenn also alles in Bewegung ist, dann ist also auch die Suche nach dem Sinn des Lebens nur eine Frage, wo man gerade steht, in welche Richtung man schaut und was man fühlt? Und selbst wenn man sich selbst nicht bewegt, so tut es doch die Welt und diese Bewegung ist absolut und nicht beeinflussbar. Man kann sich mit ihr bewegen und auch gegen sie. Das ist eine eigene Entscheidung. Aber sie wird nicht anhalten! Obwohl man sich das manchmal doch sehr wünscht, wenn etwas geschieht, was man für groß und wichtig hält. Aber dann hält man nur selbst an, die Welt macht einfach weiter, das kann man weder beeinflussen noch ändern. Man kann dieser Tatsache nicht entkommen, egal wie sehr man sich dagegen auflehnt. Ich war ein wenig durcheinander und verschlafen und war geradezu glücklich Zeit zu haben, um darüber nachdenken zu können. Ich verharrte einige Momente in meiner eigenen Stille und hörte die Welt da draußen. Kaffee wäre gut! Kaffee würde mich erfreuen und sensibler machen. Am besten gleich eine ganze Kanne. Ich machte mir welchen.

Als ich vor ein paar Tagen mit dem Bus unterwegs war, habe ich mich, um die Fahrtzeit zu überbrücken, nach langer Zeit mal wieder mit Albert Camus beschäftigt. Seine “Philosophie des Absurden“ hat mich schon immer sehr interessiert. Das Absurde entsteht aus der Gegenüberstellung der berechtigten Sinnsuche des Menschen und der Sinnlosigkeit der Welt. Das menschliche Grundbedürfnis und das Streben nach Sinn in einer sinnentleerten Welt ist eigentlich vergeblich, aber muss deshalb nicht ohne Hoffnung bleiben. Um nicht zu verzweifeln oder zu resignieren oder gar gänzlich passiv zu werden, vertraut Camus, ebenso wie auch schon Nietzsche, auf den aktiven, auf sich allein gestellten Menschen, der unabhängig von Gott, Religion und Gnade selbstbestimmt und bewusst innere Möglichkeiten der Schicksalsüberwindung, der Auflehnung und des Widerspruchs entwickelt.

Revolte.

Es ist eine zutiefst humanistische und atheistische Sicht, die Camus vertritt. Welchen Sinn sollte man diesem vielen Leiden auf der Welt anrechnen?
Und dennoch und trotzdem strebe der Mensch nach vorne, will sich bewegen und handeln. Er verspürt diesen Drang etwas zu verändern. Er akzeptiert das Absurde begreift es auch als solches und gleichzeitig, obwohl er weiß, das er nie zu einem Ziel gelangt bzw. es überhaupt kein Ziel gibt, bezieht er sein Glück in einer Art ewigen Aufstehen, fast ein stures Trotzdem. Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Sisyphos? Er ist Sinnbild dieser Überzeugungen.

Teile ich diese Überzeugungen? Kaffee wird nachgeschenkt. Wenn der Kreis, die Welt und der Weg eine Reise zum Mittelpunkt der Seele ist, dann kann ich den religiösen Gedanken nicht ausschließen. Für mich gibt es eine klare Unterscheidung von Psyche und Seele. Carl Gustav Jung unterschied zwischen der äußeren und innerlichen Persönlichkeit, die innere setzte er mit Seele gleich. Die äußere sei eher die Maske, die sich der sozialen Welt anpasse und die innere wäre dazu gegensätzlich und ergänzend. Die Seele mit der Begrifflichkeit der Psyche gleichzusetzen ist eine nüchternere, eher wissenschaftlich orientierte Betrachtung des menschlichen Innenlebens ohne den gefühlsbetonten Beiklang.  Schiller bezeichnete mit der schönen Seele den Einklang von Sinnlichkeit und Sittlichkeit. Und auch Goethe machte immer wieder seine Überzeugung deutlich, das es einen Unterschied von Seele und Psyche gibt.

Ich bin also endlich und mein Suchen und Finden ist relativ. Und Mut zu haben und Energie und Kraft aufzubringen, hat immer mit Hoffnung zu tun. Und diese Hoffnung hat immer auch einen nicht greifbaren, seelischen und damit spirituellen Aspekt.
Und so schärft sich der Blick auf meine letzten Monate, auf all mein Handeln, meine Freude, mein Glück, meine Bemühungen und sogar auf mein Scheitern. Aufstehen, weiter machen, wieder anfangen und glücklich sein. Alles eine Frage der Perspektive, des eigenen Standpunktes. Und selbst im Versagen eine Aussage finden, eine Revolte starten und die Dinge neu und bewusst betrachten und wieder beginnen.

Ich habe ganz leise wieder neu begonnen.

Meine Arbeit blieb ein paar Wochen einfach liegen. Vor meinen Augen geschah nichts. Ein stiller Vorwurf, ein schlechtes Gewissen. Ich konnte weder weitermachen, noch es ganz beenden oder gar verwerfen. Meine ausgedruckten Manuskripte flüsterten mir ständig etwas zu, aber zu leise, ich verstand sie nicht. Genauso die Verlagsliste mit all den Adressen die mich an oder vielleicht sogar auslachten. Ich war einfach verhindert.
Der Umstand, dass mein Projekt gescheitert war, hatte mich so verunsichert, dass ich nichts entscheiden wollte und konnte. Aber dann geschah etwas ganz wundervolles. Einige Menschen, die schon bei der Spendenaktion mitgemacht hatten, sprachen mich an und wollten mir das gespendete Geld persönlich zur Verfügung stellen, damit ich weitermachen würde und könnte.

Ich war so gerührt und möchte mich an dieser Stelle tausendfach bedanken bei Annett Lux, Johannes Sulk und Emily Koch .

Ihr seid die Besten!

Aber auch viele andere Freunde und vor allem die Familie machten mir zusätzlich Mut und mein Tatendrang und Glauben regte sich wieder. Nicht nur allein die Tatsache, dass ich jetzt die Postsendungen und die Mails mit diesem Geld verschicken konnte, machten mich glücklich, sondern auch, dass es Menschen gab, die mir und meiner Idee vertrauten. Und jetzt ist es getan. Insgesamt 145 Verlage sind angeschrieben. Und ich fühle mich sicher und glaube an mich. Ein unbändiges Verlangen und ein, fast unruhiger Gedanke, ein Drang sich nach vorne zu bewegen. Jetzt gilt es die Antworten abzuwarten und zu hoffen. Und ich weiß, dass es viele Menschen an meiner Seite gibt, die mir die Daumen drücken und mich unterstützen. Und ich bin gewappnet für alle Fälle und nicht mehr unsicher. Und falls ich keinen Verlag finde, dann finde ich eine andere Möglichkeit, das Buch fertigzustellen und in den Händen zu halten.

Und es wird ein wunderbares Gefühl sein!

Und es wird meinen Vorstellungen entsprechen. Die wunderbaren Bilder von Volker, die ich so liebe, werden sich über meine Gedanken legen und dieses Buch vollständig machen, weil sie eine Einheit bilden. Einfach, weil es so sein soll. Ich bin so glücklich, dass ich sie verwenden darf. Ein tiefer Dank auch an Dich, Volker.

Ich weiß, dass ich das schaffe! Nur Mut!
Ich danke auch noch mal allen Beteiligten, Unterstützern und Lesern von meinem Blog und meinen Geschichten und Gedichten. Es war ein ereignisreicher Weg von der Idee bis zu diesem Zeitpunkt. Viel Arbeit und Glaube. Mit allen, die mit mir gegangen sind, fühle ich eine so schöne Art der Verbundenheit.

Jetzt braucht es nur noch ein wenig Glück! Ich bin ein Sonntagskind.

Hallo, liebe Leute! Heute früh fand ich diese liebenswürdigen Worte in meinem Postfach: „Mit Poesie die Welt erobern..kleines Träumeli. Nur zu! Meine hast du schon vor langer Zeit eingenommen. Aber ich bin nur ein armer Strolch mit Löchern in sämtlichen Hosentaschen. Und so kann ich dir nicht all das geben, was ich gern geben würde. Aber ich bin ein treuer, stiller Begleiter und ziehe meinen verbeulten Hut vor Deinem Mut.“

Ist es nicht wunderbar, solche Freunde zu haben? Großzügig aus tiefster Seele. Danke!

Mir ist aufgefallen, dass ich bereits begonnen habe rückwärts zu zählen. Am Anfang der Kampagne war ich vorwärts gerichtet. Interessant irgendwie. Ich versuche die gesamte Wirkung dieser Zeit zu verstehen. Meinen Umzug in diese große Stadt, die Veränderung meines Soziallebens. Was genau vermisse ich und was suche ich? Und was passiert mit jemandem, der viel für sich ist? Drehen sich die Gedanken dann im Kreis? Nimmt man sich selbst zu ernst? Und stimmt dieses – zu – in der Frage überhaupt? Soll heißen, ist diese Frage überhaupt inhaltlich richtig gestellt?

Schon der dritte Kaffee…, den ich mir gerade aufbrühe. Halb acht bin ich aufgestanden, habe zig Dinge erledigt. Fleißig bin ich, das kann niemand bestreiten. Heute früh war es so schön still und die Luft so unglaublich klar und sauber. Nichts war zu hören, nur die Vögel waren übermäßig fröhlich. Sie haben mich mit ihrer guten Laune überzeugen können, dass dies ein guter und schöner Tag wird. Na dann!

Erstmal Nachricht an die Familie und einige Freunde. In so einer schönen Stimmung muss ich immer ein wenig intensiver an sie denken. Ich bin beruhigt, eine Freundin ist schon beim vierten Kaffee und andere vermissen mich zurück. Ich fühle mich gerade nicht allein. Sehr gut!

Noch 17 Tage. Was wird wohl noch passieren? Ich überlege, wie ich alle, die bis hierher an mich geglaubt haben und alle die es noch tun, wie ich diesen Menschen eine Freude machen kann als Dank und falls das Projekt nicht aufgeht. Jetzt sieht es ja erstmal so aus.

Aber! He, Leute, 17 Tage!

Ich habe keine Angst vor dem Scheitern. Ich weiß, dass es zum Leben dazu gehört. Und ich weiß jetzt auch, dass ich ganz bestimmt keine Marketing-Expertin bin. Gut oder doof? Ich weiß es nicht. Ich bin ja auch keine Eigenheimbesitzerin und keine Karrierefrau. Das ist auf jeden Fall absolut okay für mich. Die Romantik des Lernens ist nicht von der Hand zu weisen. Und dient hier nicht als verschleierte Rechtfertigung, sondern wohnt eher in der emotionalen Erkenntnis. Also so würde ich es vielleicht beschreiben.

Aber noch ist nicht der letzte Schritt getan, noch ist alles möglich. Das mag ich sehr gern.

An das Unmögliche zu glauben, an Wunder, an Wendungen.. an anderen Türen, die sich öffnen, auch wenn mal eine klemmt und nicht aufgeht.

Dieses Wochenende bereite ich die Lesung in Schwerin am 26. 05. 19 vor. Suche Texte raus, übe lesen, erstelle eine Veranstaltung, bereite den Flyer vor. Was für schöne Aufgaben. Ich freue mich so sehr auf die Lesung und das Wiedersehen mit vielen lieben Menschen. Also, los gehts! Ich wünsche allen ein schönes Wochenende und ich bin für alles bereit. Wenn ihr weiterhin an mich glaubt, mich mit Worten, Reaktionen und Spenden unterstützt, dann versteht ihr mich und meine Ideen und Überzeugungen.
Ich freue mich auf alles, was sich noch ergibt.

„Erhebt Eure Gläser. Trinken wir! Auf die Traurigen und Schwachen und auf die Träumer.“

Hallo. Es ist vollbracht!..
Alle 100 Verlage sind angeschrieben. Ich habe die letzten Mails heute früh verschickt. Es war doch mehr Arbeit, als ich dachte und hat länger gedauert. Aber jetzt ist es erledigt und ich bin so stolz auf mich! Jawohl! Für die restlichen Verlage – 34 – die eine Manuskripteinsendung per Post wünschen, ist auch alles komplett vorbereitet. Alles gedruckt, eingetütet und neben meinem Schreibtisch gestapelt … 34 Briefe, die mir ganz ungeduldig zuzwinkern und sich auf ihre Reise freuen. Sie müssen sich noch ein bisschen gedulden, ebenso wie ich.

Nach meinem letzten Blogbeitrag hatte ich eine sehr schöne und liebevolle Unterhaltung mit meiner großen Schwester, die mich auf dem Foto, des letzten Beitrages, auf dem Arm hielt. Ich habe ein wenig weinen müssen vor Freude. Sie sagte; Sie hätte mich als ich klein war, immer beschützen wollen und hatte und hat mich sehr lieb.

Ist das nicht großartig!

Und ich möchte ihr auch hier an dieser Stelle ein ganz besonderes und großes Dankeschön und eine tiefe Umarmung senden. Sie war eine tolle große Schwester. Es gab Gute Nacht Geschichten, Pflaster auf aufgeschlagenen Knien und freundliche Worte. Ohne sie, hätte ich es wohl nicht geschafft, ein großes Mädchen zu werden.

Mein neuer Text bekommt auch langsam Struktur. Ich mag ja dieses Wort eigentlich nicht, aber in diesem Fall ist Struktur unbedingt vonnöten, damit ich mich nicht verlaufe. Ich arbeite an jedem Satz, an jedem Wort, mit Unruhe im Herzen, weil ich alles richtig und fühlend erzählen möchte. Ich laufe hin und her, unzählige Kaffeetassen säumen den Weg und manchmal zufrieden und manchmal unzufrieden, schreibe ich tapfer weiter. Die Erinnerung arbeitet in mir … Bilder entstehen geradewegs vor meinen Augen. Das kleine Mädchen möchte wohl raus und Heilung. Manchmal weht doch noch ein Hauch von Wut durch den Raum, aber ich bin nicht mehr so verletzt. Fühle mich sogar für einen kurzen Moment unbesiegbar. Jeah. Das ist toll! Das Gefühl, das es nicht mehr nur noch um Erklärung meiner Persönlichkeit geht und Mitgefühl, sondern um eine Lebensgeschichte. Poetisch und bejahend. Ich will alles erzählen und nichts vergessen oder verfälschen. Ob mir das gelingt? Wir werden sehen!

Die Kampagne läuft noch 19 Tage.

Und ich habe heute eine freie Spende von einem ganz lieben und interessierten Menschen bekommen. Ganz, ganz lieben Dank und ganz freundliche Grüße an ihn nach Schwerin. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen.

Die Lesung in Schwerin. Wir haben jetzt einen Termin und Ort endgültig festgelegt. Am Sonntag, den 26. Mai 19 lese ich aus meinem neuen Manuskript in Schwerin im Unity, meiner absoluten Lieblingskneipe. Ein Ort, an dem ich schon so viele tolle Unterhaltungen geführt habe, viel Bier und Wein getrunken habe und mich immer sehr erwünscht und freundlich willkommen gefühlt habe. Begleitet werde ich von meiner liebsten Freundin Ulrike Jähme, die mir, solange wir uns kennen, immer beigestanden und mich begleitet hat.

Du bist ganz großartig, Ulrike!..

Und Carsten Stotco, ein toller Musiker und Mensch. Wir haben letztes Jahr alle drei zusammen schon ein Programm erfolgreich auf die Beine gestellt und sind damit aufgetreten. Und ich bin ganz dolle froh, dass wir es wieder gemeinsam tun. Das wird super schön.

Und ich lade euch alle schon einmal hier ganz herzlich dazu ein!

Ihr bekommt alle natürlich noch eine detaillierte Einladung. Diesmal ist es dann eine wirkliche Crowdfunding Party. Meine Kampagne läuft noch bis zum 21. Mai, ist also zum Zeitpunkt der Lesung bereits beendet. Ich möchte mit euch allen, diese Erfahrung, diese Reise feiern. Und meinen Weg. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann schon die eine oder andere Antwort von einem Verlag. Ich bin ja so aufgeregt.

Jetzt sind es also noch 19 Tage. Ich würde den Blog gern unabhängig davon weiter führen, um mit meinen Freunden, Unterstützern und Lesern in Kontakt zu bleiben. Es gibt immer wieder neue Geschichten. Kaum ist die eine aus erzählt, gesellen sich Gedanken zu Gedanken, machen einen großen Kreis und vereinen sich. Erst noch konfus, oft durcheinander, aber dann fügen sie sich, leben auf und entdecken gemeinsam in einer Ordnung das Licht der Welt. Das mit vielen Menschen zu teilen, ist mir eine große Freude. Und ich glaube an die Kraft der letzten Minute. 19 Tage – das ist noch sehr viel Zeit für Wunder! Und Konfetti, wenn es auf uns regnet, macht glücklich. Helft mir weiterhin. Verlieren kann ich ja gar nicht mehr, weil ich schon so viele gute Gedanken, Wünsche und Hilfe bekommen habe. Danke!

Hallo. Ich melde mich heute zurück aus einem sehr intensiven Wochenende. Ich habe mich ein wenig zurückgezogen und viel nachgedacht, gearbeitet und organisiert. In meinem letzten Eintrag hatte ich euch ja nebenbei von meinen geheimen Tagebucheinträgen erzählt, die ich zur Verarbeitung meiner Kindheit verfasst hatte. Ich habe mir diese Aufzeichnungen also dann doch noch einmal vorgenommen und sie gelesen. Ich hatte mir eigentlich selbst versprochen, diese Büchse der Pandora nie wieder zu öffnen, da es sonst vielleicht wieder Monster unter dem Bett gibt. Aber als ich dann darüber nachdachte und überhaupt davon gesprochen hatte, wollte ich doch sehen, wie es mir heute damit ergehen würde.

Ja, und was soll ich sagen … ein gewisses Talent zum bildlichen Beschreiben hatte ich wohl schon als 16-jähriges Mädchen. Alle Situationen tauchten plötzlich wieder auf, als wäre es gestern gewesen. Das war ein mittelschwerer Schock und ich konnte nicht alles lesen, da es mir zu sehr weh tat. Plötzlich war ich wieder dieses kleine Mädchen mit den fransigen Zöpfen und diesem Blick als wäre ich in einer anderen Welt. Meine Kindheit legte sich vor meinen Augen offen, wie ein bleischweres Skatblatt. Und erschrocken und blass habe ich die Tagebücher schnell wieder beiseite gelegt. Und dann musste ich meine Aussage zur Selbsttherapie durch das Schreiben noch einmal richtig überdenken.

Ich glaube nämlich, dass es mir damals als junges Mädchen das Leben gerettet hat und ich somit in der Lage war, einen anderen Weg zu gehen und Situationen anders aufzunehmen und zu bewältigen, als es mir beigebracht wurde. Vor allem eben, Menschen anders zu betrachten und mit ihnen umzugehen. Allein dadurch, dass ich es aufgeschrieben hatte, verarbeitete ich auf eine bestimmte Art.

Damals entstand meine Einstellung, dass alles veränderbar ist, wenn man nur unbedingt will.

Ich wollte nicht so ein Mensch werden, wie meine Eltern. Ich wollte meinen Kindern niemals seelischen oder gar körperlichen Schmerz zufügen. Für viele ist das ja natürlich selbstverständlich, aber für mich war es eine Herausforderung, da ich Liebe, Geborgenheit und Sicherheit niemals erfahren hatte. Ich kann mich noch an eine kleine Geschichte erinnern: Als meine erste Tochter geboren wurde, habe ich die Kinderärztin um ein Gespräch gebeten und unsicher und aufgewühlt habe ich sie gefragt, wie das geht – wie liebt man so ein Kind?! Und aufgeregt stellte ich zig Fragen und nachdem sie mir zugehört hatte, lächelte sie und sagte, dass ich das bereits tue. Ich liebte dieses Kind bereits. Ich war erleichtert, dass sie das so sah und gleichzeitig ängstlich, es nicht zu schaffen. Ich wollte unbedingt für dieses zarte Wesen wirklich da zu sein. Ich glaube, das habe ich geschafft.

Und heute glaube ich, dass es sehr heilend und hilfreich sein kann, wenn man sich etwas von der Seele schreibt.

Also fast automatisch fing ich an zu schreiben. Es tat ganz schön weh, kann ich nur sagen, sich alles in Erinnerung zu rufen aber vielleicht ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt gekommen, um es aus heutiger Sicht neu zu beschreiben. Vielleicht hilft es mir, besser mit Situationen und Menschen umzugehen. Es sind schon ganze fünf Seiten. Ich habe am Sonntag um fünf Uhr früh Kaffee gemacht und habe einfach drauf los geschrieben. Super Zeit!;) Danach konnte ich dann doch noch ein bisschen schlafen. Bei der schieren Menge an Absurditäten und Erlebnissen – wer weiß, vielleicht wird es der Roman meines Lebens. Und auch wenn es schwer ist, so ist es doch wichtig bewusst mit der Vergangenheit umzugehen. Ich werde berichten, wie und ob ich damit vorankomme.

Und ja! Heute ist es dann auch soweit! Heute werden die letzten Mails an die Verlage versendet. Juchhu!.. Das ist so eine krass intensive Arbeit. 100 Mails an 100 Verlage. Das ist doch verrückt. So viele. Ich bin ja so aufgeregt. Und dann heißt es ab jetzt Daumen drücken. Beide bitte, wenn es geht. Und vielleicht habe ich Glück! Es wäre so super großartig. Und meine Kampagne läuft ja auch noch 22 Tage. Und wer Lust hat, der kann mich sehr, sehr gern weiterhin unterstützen! Ich würde mich riesig freuen. Eine weitere Info gibt es noch zu der geplanten Lesung in meiner alten Heimat Schwerin. Wir haben jetzt einen Termin und einen Ort gefunden. Aber davon erzähle ich euch in meinem nächsten Eintrag.

Hallo. Nun bin ich wieder allein. Habe meine Tochter gestern zum Bahnhof gebracht und musste mich für mindestens ein Jahr verabschieden. Ich kann nicht beschreiben, was da in mir vorging. Ich habe geheult, wie ein Schlosshund und habe theatralisch dem Zug hinterher geblickt. Wie es sein muss.

Schicksal ist nicht aufzuhalten.

Und ich habe zwar Sehnsucht und Angst aber gleichzeitig empfinde ich große Freude, dass es für sie ein eigenes Glück, ein eigenes Leben gibt und das sie mutig und ein bisschen tollkühn ist und tut, was für sie wichtig ist. Eine starke, eigenständige junge Frau. Wenn man drei Kinder großzieht, lebt man absolut in der Gemeinschaft. Und die Kinder sind die, die ihre Eltern brauchen, nicht andersherum. Ich gehe also zu Fuß nach Hause. Ich brauche diesen Spaziergang von ca. 1,5 Stunden, um mich ganz für mich zu verabschieden und los zu lassen. Jeder, der Kinder hat, wird dieses Gefühl kennen. Ich muss nach Kleinzschocher, dieser Stadtteil, in dem ich wohne und den ich nicht richtig aussprechen kann als Norddeutsche. Es ist sehr schönes Wetter und ich gehe durch diese prächtige Stadt. Alles wächst und blüht und überall Wasser und Grün. Ich bin noch nicht ganz sicher, welches der Gefühle, die ich gerade empfinde, die Oberhand gewinnen wird.

Es ist vielschichtig.

Meine Einsamkeit, die sich durch die Emotionalität einer Verabschiedung, gerade, wie unter einer Lupe, manifestiert oder sollte ich mich eher freuen, stolz und glücklich sein, dass genau durch dieses Manifestieren sich die Endlichkeit des Lebens konzentriert und Abschiede im Besonderen einem zeigen, dass man und wie sehr man liebt? Ich berausche mich an der Sonne und dem Glanz der Welt. Klingt ziemlich kitschig, aber ich kann es nicht anders beschreiben. Ich mache eine Pause, trinke ein kühles Getränk. Es ist wirklich sehr heiß. Ich denke über Wirkung und Wahrheit nach. Wieder einmal Vorstellungen von mir, wer ich gern wäre und wer ich bin. Ich darf ja niemals vergessen, das auch ich jemand bin über und an den man denkt. In Bezug auf Kinder glaubt man, denke ich, immer etwas besser machen zu können. Ich setze mich in den Schatten und beobachte das Lichtspiel, dass durch die Sonne und die Bäume entsteht.

Ich habe eine Mail bekommen. Jemand mir fremdes hat sich mit meinen Fragen zu meiner Kampagne und warum sie nicht richtig funktioniert, sehr ausführlich auseinandergesetzt. Bevor ich richtig lese, bin ich erstmal sehr berührt, dass jemand, den ich nicht kenne, mir und meiner Idee so viel Energie und Zeit widmet. Danke dafür! Wieder geht es um Marketing Strategien und dass das Stagnieren nicht einfach erklärbar ist. Schon vorgestern hat ein Freund im Geiste, das in einer sehr witzigen Art und Weise analysiert. An dieser Stelle einen lieben Gruß an diesen Freund. Es war sehr erhellend und nachdenklich zugleich. Auch in anderen Gesprächen habe ich darüber nachdenken müssen, ob meine Strategie, die richtige ist, um so ein Projekt öffentlich zu starten. Es sind Worte gefallen, wie erschlagend, zu persönlich, hermetisch. Eben, dass nur Menschen, die mich kennen und mir nahe stehen, Empathie empfinden könnten für meinen Wunsch und mein Ziel. Ich kann das überhaupt nicht beantworten.

Ich bin ja ich.

Und ich kann eigentlich nur sagen, das Worte wie Marketing, Strategie, Community… mir mittlerweile eher Angst machen. Heißt, ich habe auf diese Art und Weise nicht über mein Buch, meine Idee nachgedacht. Sondern habe ganz ehrlich und offen – vielleicht würde der eine oder andere auch naiv sagen – diese Kampagne gestartet mit lauter schönen Gedanken im Kopf. Vielleicht ist das aber eben genau die Antwort darauf, warum es jetzt so läuft.

Auch ich lebe ja in dieser Welt und kann die Mechanismen nicht einfach ändern.

Eine weitere, interessante Frage in der besagten Mail, die ich natürlich auch noch ganz persönlich beantworten werde, ist die, nach dem Perspektivwechsel. Ob ich die Position meiner Leser_innen und Eventuell-Leser_innen einnehme, um mich in ihre Lage versetzen zu können, damit sie das Gefühl haben, das ich sie ernst nehme und mein Schreiben sich für ihre Bedürfnisse interessiert. Ich bin kurz bewegungslos, bis ein Windhauch mir ein Lächeln hervor lockt.

Die Position meiner Leser_innen einzunehmen scheint mir unmöglich, da ich mir der Individualität eines jeden einzelnen Menschen bewusst bin. Ich habe mein Schreiben noch nie als einen eigenen Therapieansatz begriffen, der nur mir persönlich gut tut und gefällt. Eine Ausnahme.. als ich den Schrecken meiner Kindheit verlassen habe und verarbeiten musste. Aber da habe ich Tagebuch geschrieben. Das hat nie ein anderer Mensch je gelesen. Also nein! Ich schreibe meine Gedichte und Geschichten nicht allein für mich.

Und ja, natürlich möchte ich gelesen werden.

Aber da ich eben, wie alle anderen auch, ein Individualist bin, nehme ich meine Position und meine Perspektive ein, um den Menschen etwas mitzuteilen. Es steckt kein Plan dahinter, keine Strategie. Ich kann es nur so beschreiben: Ich glaube ganz fest daran, dass es Gefühle und Gedanken gibt, die uns alle, bei aller feststehender Unterschiedlichkeit, einen. Glück, Trauer, Angst, Willen. All das, was uns zu sozialen Wesen macht. Und ich glaube, das ist mein Suchen. Mein größtes Thema in meinem Leben. Einigkeit! Das ist mein Antrieb, mich mit den Menschen zu verbinden. Ich glaube, das möchte jeder Künstler und jeder Mensch. Nicht einsam sein! Mitteilen auf die unterschiedlichste Art und Weise, was die Welt zusammen hält. Und ich meine damit keine Gleichmacherei. Sondern ein tiefes Gefühl.

Deshalb schreibe ich.

Und ich habe schon sehr oft dieses tiefe Gefühl erlebt, bei Lesungen, beim Reden, überhaupt in meinem Leben und auch beim Lesen. Ich weiß nicht, ob ich diese Frage damit beantwortet habe. Es scheint mir fast eine simple Antwort und doch die ehrlichste, die ich geben kann.

Jedes Wort tausendmal gedacht und gefühlt.

Die Spardose. Ich habe sie mit meiner Tochter auf der Straße gefunden, sie wurde mir faktisch kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich habe meiner Tochter versprochen, wenn sie von ihrer Reise zurück ist, dann ist dieses Ding voll und wir machen gemeinsam eine richtige Sause. Ich musste sehr lachen, es war, als hätte das Schicksal sie vor meine Nase gestellt und ich wüsste dann schon, was zu tun sei. Ein Turnschuh.

Das Leben ist aber manchmal auch lustig.

Also ich habe eine Mission. Neue Turnschuhe und ein schöner gemeinsamer Abend. Einen Euro habe ich symbolisch bereits hineingeben. Glücklicherweise ist dieser Spar-Turnschuh nicht sehr groß.
Ich schätze, es ist nicht gerade eine clevere Marketingstrategie, so lange Texte zu schreiben. Bei der Informationsflut und der Kurzlebigkeit von Aufmerksamkeit. Aber ich kann nicht aus meiner Haut und bin tatsächlich nicht besonders diplomatisch. Man möge mir verzeihen. Und selbst wenn das die Antwort auf die Frage des Scheiterns ist.. dann gibt es das Gefühl der Treue zu mir selbst. Es gibt ja nicht den einen Weg, der richtig ist, es gibt auch nicht das Wissen darum. Es gibt nur den ganz eigenen Weg und diesen muss ich gehen. Diese Kampagne erscheint mir, wie eine Reise, eine Probe, auf die ich gestellt werde. Und ich weiß nicht genau, ob man es dann noch Kampf nennen sollte. Ich wünsche mir Erkenntnisse und gelebte Freundschaften. Im Leben und im Geiste. Neue und Bestehende. Auch noch ein lieben Gruß an einen Freund aus Leipzig, den ich sehr gern habe. Ein großes Dankeschön für seine Spende! Es sind noch 25 Tage!